17 Ziele für Nachhaltigkeit

Artenschutzprojekt der GKB

Bereits kurz nach der Zusage seitens der Gelsenwasserstiftung zur finanziellen Unterstützung des gewünschten Artenschutzprojektes unserer Gesamtschule, begannen inspirierte Lehrkräfte zusammen mit motivierten Schüler*innen die anstehenden Unternehmungen bis in das kleinste Detail zu planen. Die erste und höchste Priorität besaß dabei zunächst der Bau und das Aufstellen der bereits skizzierten Wildbienennisthilfe, welche von Schülern der Klasse 10 nach den Richtlinien von Dr. Paul Westrich, einer bundesweit angesehenen Koryphäe auf dem Gebiet der Wildbienen, entworfen wurde. In Kooperation mit einer in Neuss ansässigen Schreinerei, konnte das hölzerne Konstrukt gegen Ende Mai schließlich zusammen- und an einer geeigneten, sonnenexponierten Wand eines unserer Schulgebäude aufgebaut werden. Dem stattlichen Gestell fehlte allerdings noch das maßgebende Innenleben, in welchem die späteren Bewohner Quartier beziehen sollten. Nun war also das handwerkliche Geschick der Schüler*innen und Lehrkräfte einer zuvor gegründeten Arbeitsgemeinschaft gefragt, die das Objekt mit passenden Elementen, überwiegend für sogenannte Hohlraumbesiedler ausschmückten. Ein Teil des zu bestückenden Raumes wurde bis auf Weiteres freigelassen, um so von Jahr zu Jahr eine stetig wachsende Wildbienenpopulation durch zusätzliche Erweiterungen aufzubauen. Auch Nisthilfen für Morsch-, Totholz- und Markstängelbewohner sollen folgen.

Durch den Bau konnten die Teilnehmenden viele brauchbare Erfahrungen mit nach Hause nehmen. So ist die Errichtung einer solchen Behausung oft kein einfaches Unterfangen, da den Erschaffern durch mangelnde Kenntnisse nicht selten schwerwiegende Fehler unterlaufen, weshalb diese oft fälschlicherweise als „Insektenhotels“ bezeichneten Konstruktionen, ihren Sinn und Zweck nur unzureichend erfüllen. Die Gestaltung unserer Nisthilfe jedoch basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen, so dass einer vollständigen Besiedlung nichts im Wege steht.

Kurz nach dem Aufstellen der Nisthilfe konnten die Schüler*innen bereits einige Löcher- und Scherenbienen beim Nestbau beobachten. Die auffälligen und allzu oft massenhaft auftretenden Mauerbienen (insbesondere Osmia cornuta und Osmia bicornis) werden sich dann aller Wahrscheinlichkeit noch im zeitigen Frühjahr zeigen. Diese sind zwar ebenfalls wie die zuvor genannten sehr häufig, aber hier überwiegt der pädagogische Nutzen für die Schüler*innen. Schließlich lässt sich ihnen, insbesondere mit diesen auffälligen Arten, die faszinierende Welt der Bienen und damit die der Insekten näherbringen, was wiederum für deren Schutz inspiriert.

Auch mit der Aussaat einiger Wildblumenarten wurde bereits begonnen. Dazu legte eine Gruppe von Schüler*innen kreisrunde und mit kleinen Holzbrettern umrandete Beete an. Für das Anlegen einer Wiese ist derweilen ebenso eine Fläche festgelegt. Diese ist von der Bodenbeschaffenheit, sonnenexponierten Lage und Nähe zur neuen Nisthilfe dafür geradezu prädestiniert. Sie soll im nächsten Frühjahr im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft dann endlich in eine solche umgewandelt werden. Dafür war die Vegetationsperiode zum Zeitpunkt des Projektbeginns leider schon zu weit fortgeschritten.

Zur insektenfreundlichen Umgestaltung des Schulgartens kooperiert die Gesamtschule unter anderem mit der örtlichen NABU-Gruppe, deren auf Schmetterlinge spezialisiertes Saatgut in den kreisrunden Beeten ausgebracht wurde.

Durch das auf Schmetterlinge ausgerichtete Saatgut erhoffen die Schüler*innen sich bald auch an diesen farbenfrohen Tieren erfreuen zu können. So sind in der Mischung z.B. die Samen des Gewöhnlichen Hornklees (Lotus corniculatus) enthalten, den unter anderem die Raupen des Hauhechelbläulings (Polyommatus icarus) als Nahrungsquelle nutzen. Gleiches gilt für die Wilde Möhre (Daucus carota), an der die Raupen des Schwalbenschwanzes (Papilio machaon) gerne fressen. Dieser steht in Nordrhein-Westfalen zwar auf der Vorwarnliste, durfte aber von einigen unserer Schüler*innen in unserer Nachbarstadt Korschenbroich schon beobachtet werden. Nichtsdestotrotz fördern diese beiden Beispielarten auch viele Wildbienen oder sind für das Vorkommen einiger Spezies sogar existentiell.

Der Anfang ist also gemacht, aber erst im Laufe der Zeit wird sich das gesamte Resultat des Projektes zeigen. Die Schüler*innen und Lehrkräfte warten gebannt auf die nächsten Monate und freuen sich über jeden noch so kleinen Erfolg, über jede neue Art, die von ihrer Arbeit profitiert. Unsere Schule geht mit gutem Beispiel voran. Und darauf sind wir auch stolz. Gerade die letzten Jahre zeigen uns doch wie respektlos und egoistisch wir Menschen lange mit unserem Planeten umgegangen sind. Seien es die Dürreperioden, der dramatische Artenschwund oder Überschwemmungen schrecklichen Ausmaßes. Alles was wir der Erde zuleide tun, fügen wir uns selbst zu. Und obwohl wir das schon lange wissen, handeln wir so, als gäbe es kein Morgen. Nach uns die Sintflut! Wir wollen der Wahrheit ins Gesicht sehen und nicht weggucken. Und dazu gehört nun mal auch unseren Schüler*innen zu zeigen, wie man es besser macht, als diejenigen, die schon so viel versäumt haben. Der Bildungsauftrag einer guten Schule lautet: aus Kindern mündige Bürger*innen zu machen. Und das dieses System funktioniert, zeigen uns gerade alle jungen Menschen, die sich für mehr Umweltschutz engagieren. Unsere Gesamtschule wird weiterhin ihren Beitrag dazu leisten.

© Ines Beale, Frank Wagner 2021